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Brief von Eva Stein anlässlich des Erscheinens von Band 10 der Reihe BORDGESCHICHTEN

Eva Stein
29. DSR-Seeleutetreffen (2004)):
Eva Stein mit Kpt. Gerd Peters und Günter Schubert
Im vorigen Jahrhundert - genau im Jahre 1970 -  bekam ich vom DDR-Fernsehen das Angebot, als Drehbuchautorin eine neue Serie zu entwickeln. Ostsee, Strand, Menschen, Schiffe, moderne Fischfangflotte usw.

Wir untersuchten Themenkomplexe, redeten uns die Köpfe heiß, aber das Meer und das, was auf ihm und an seinen Küsten passierte, das ließ uns nicht wieder los. Schließlich schlug ich vor, ein Schiff unserer modernen Handelsflotte zum Thema zu machen. Die Geschichten und Erlebnisse vom Kapitän bis hin zum Schiffsjungen, das Leben und die Arbeit an Bord, innere Spannungen und Disziplin, Familie, Kinder, Eifersucht, fremde Häfen als Grundlage der Handlungen und - was wichtig war - die Tatsache, dass unsere Seeleute ständig zwischen zwei unterschiedlichen Gesellschaftsordnungen hin und herpendelten. Glamour und grenzenloses Elend auf der einen Seite, soziale Sicherheit und viel weniger Glamour in der Heimat. Darin hatte ich meine eigenen Erfahrungen aus der Zeit, als mein Mann und ich für längere Zeit in Südamerika arbeiteten.

Die Leitung der Serien-Produktion war einverstanden. Ich schrieb eine Konzeption und fuhr damit nach Rostock zur DSR. Auch dort erhielt ich zunächst Zustimmung. Doch der Mann an der Spitze verweigerte sich als 'Seemann' mit dem Argument, Frauen an Bord brächten Unglück. Und außerdem könne eine Frau nicht über Seeleute schreiben. Meine Kollegen von der Leitung der Serien-Produktion waren nur Landratten und der festen Überzeugung, dass diese Frau das gar wohl könne.

So kam es zur Serie 'Zur See'. Neun Filme, geschrieben von einer Frau! Bei dieser Arbeit unterstützt von einer weiteren Frau, der Dramaturgin Dr. Heide Hess. Dass die Serie ein solcher Erfolg wurde, das liegt an den vielen kleinen, großen und bewegenden Geschichten, die ich von den Seeleuten und ihren Familien oder an Land arbeitenden Kollegen erzählt bekam. Dafür danke ich allen! Keiner von ihnen ahnte damals, dass die von ihnen privat aufgeschriebenen Geschichten einmal unter ihrem Namen gedruckt werden könnten.

Am 7. Januar 1977, 20 Uhr, wurde die Serie 'Zur See' zum ersten Mal ausgestrahlt. Sie wurde ein großer Erfolg, weil sie von alten Klischees des Seemannes im Film bewusst abwich und - auf wahren Geschichten basierend - vom Leben, der Arbeit, den Ereignissen im Ausland, von Bewährungssituationen und Konflikte an Bord, von der Liebe zum Partner und zu den Kindern, von Heimweh und dem engen Zusammenleben an Bord über Wochen hinweg erzählte. Konflikte und Probleme aufgriff, die auch übertragbar waren auf andere Berufsgruppen. Auch über die Generationen hinweg. Die Schiffsbesatzung im Film - angefangen bei Kapitän Karsten - dargestellt von Horst Drinda, über 'Chief'' Günter Naumann, Bootsmann Jürgen Zartmann, Matrose Günter Schubert, der 'Dicke', bis hin zum schlacksigen Schiffskoch Detlef aus Herthabrunn im Vogtland, Bernd Storch - hatte sich im Verlauf der engen Zusammenarbeit mit der realen Schiffsbesatzung fast zu echten Seeleuten entwickelt. Freundschaften erwuchsen aus der gegenseitigen Achtung vor dem Beruf des anderen.

Seit nunmehr 33 Jahren läuft die Serie immer wieder mit Erfolg über die Sender.

Sie wurde - zu unserem Bedauern - nach der 9. Folge nicht fortgesetzt, trotz des Erfolgs. Durch sie entstand später über den DSR-Seeleute-Verein eine herzliche Freundschaft zwischen den Seeleuten und mir. Und wiederum dadurch entstand etwas Ungewöhnliches, vielleicht auch Einzigartiges. Die Seeleute nämlich hatten noch so viele Geschichten mehr zu erzählen aus ihrer Fahrenszeit auf den bis zu 200 Schiffen der DDR-Handelsflotte. Wir waren uns einig! Ihre Erinnerungen an diese Zeit gleichen Zeitdokumenten. Schriebe man sie auf für die Nachwelt, dann würde daraus ein Zeitdokument über 40 Jahre Seefahrt im Osten Deutschlands entstehen. Aus dem Nichts geschaffen in den 50er Jahren entstanden die moderne Fischfangflotte, dann die Handelsflotte mit in Wustrow ausgebildeten Kapitänen, mit Stammbesatzungen, die für einen schadenfreien Transport garantierten. 10 000 t - Frachter fuhren über die sieben Meere. In aller Welt anerkannt für ihre gute Arbeit.

So geschah es, dass die Seeleute die Serie gewissermaßen fortsetzten! Sie schrieben einfach weiter. Und so entstanden die 'BORDGESCHICHTEN' - in Geschichten und mit Fotos in Broschürenform festgehaltene 40 Jahre Zeitgeschichte. Etwa 300 Geschichten sind bisher in dieser Form erschienen. Zur Zeit wird an der Fertigstellung des 10. Bandes gearbeitet.

Welch ein Erfolg!

 Herzliche Grüße von

Eva Stein

2010                  

33. Hanse Sail 2024 aus dem Blickpunkt unseres Vereines

 Unser Verein wurde zur diesjährigen Sail von den Organisatoren der Hanse-Sail eingeladen und gern haben wir diese Einladung auch angenommen, wenngleich es bei Absprachen und Organisation anfangs einige Irritationen gab.  

Nach krankheitsbedingtem Ausfall von Hubert Müller waren wir als Standpersonal mit Irina und Lutz Zeppner, Lothar Vogel, Hartmut Weinhold, Ralf und Claudia Krumbiegel, Vereinsfreund Olaf Berger, der seine Frau mitbrachte und unserem „Nordlicht“ Kurt-Werner Langer mit insgesamt 9 Leutchen, eine kleine aber schlagkräftige Truppe, welche die gesamte Standzeit von Donnerstag 10 Uhr bis Sonntag 21 Uhr abdecken musste. Dazu kam dann noch der Aufbau nach einer anstrengenden Anreise am Mittwochnachmittag.

Hanse Sail 2024

Hat alles echt gut funktioniert und wir alle hatten unseren Spaß und auch viele interessante, nette und natürlich auch lange energiesaugende Gespräche. Ein besonderer Dank gilt hier unserem Vorstand, welcher im Vorfeld alles gut organisiert hatte und dem Hanse-Sail-Verein, namentlich Rainer Endress und Horst Greinert, für die tolle Unterstützung vor Ort.

Zwischen dem Haupteingang des Sail-Geländes in Richtung STUBNITZ wurden uns maritimen Vereinen insgesamt fünf Container, inklusive E-Anschluss für die Präsentation geboten. Wir hatten damit einen „relativ“ zentralen Standort, um unseren Verein richtig gut ins Sail-Gelände zu stellen.

Viele Kontakte konnten wir auffrischen und neue Freunde für die DSR-Seeleute gewinnen. Magnet, auch für die vielen Landeier bei der Sail, war wieder unser maritimes Quizz.

Am letzten Sailtag waren sämtliche Gewinne ausgegeben und wir hatten viele viele Hundert Gäste am DSR-Seeleute-Stand. Beeindruckend für uns war diesmal, dass uns auch viele Jugendliche besuchten. Gesprächshöhepunkte waren, eine junge Frau der Bundesmarine, die uns detailreich darüber informierte, dass es jetzt Frauen an Bord gäbe, die wir während unserer Seefahrtszeit hätten nicht kennenlernen wollen, … eine Oma am Rollator (Bild), die uns erzählte, zwar nie zur See gefahren zu sein, aber bis jetzt alle unsere BORDGESCHICHTEN gelesen habe und ein paar Jugendliche, die ohne Smartfoneunterstützung innerhalb einer Minute unser Quizz mit null Fehlen absolviert hatten.

Hanse Sail 2024 Hanse Sail 2024 Hanse Sail 2024
der Stand während des Aufbaus Anziehungspunkt: BORDGESCHICHTEN
Hanse Sail 2024 Hanse Sail 2024
unser Stand in der maritimen Ecke war immer gut besucht

Auch so mancher Autor aus den BORDGESCHICHTEN besuchte uns am Stand. Der eine war enttäuscht, weil er bisher nur einmal veröffentlichen durfte, der andere erzählte uns noch die eine oder andere Anekdote, die er bei der Redaktion eingereicht hatte. 

Am Sonnabend konnte ich Frau Dr. Möller, Chefin des Schifffahrtsmuseums, besuchen, um mit ihr darüber zu diskutieren, wie wir unser BORDGESCHICHTEN-Erbe einmal auch für die interessierte Nachwelt erhalten können. Darüber später einmal mehr. 

Alles in allem war es eine sehr erfolgreiche Teilnahme an der Sail und es war für uns immer wieder beeindruckend, wie viele Besucher nach uns fragen und welche „Trauben“ sich tagtäglich um unseren Stand bildeten. Wir hatten kaum eine freie Minute, um unsere „work-life-balance“ in Waage zu bringen. 

Hier sei an dieser Stelle allen gedankt, die sich täglich die mitunter zehn Stunden Standbetreuung freiwillig „angetan“ haben! Und an alle Seeleute-Freunde die uns bei der Hanse-Sail besuchten. Mit eurem Engagement lebt ihr unsere große „DSR-Seeleute“-Familie.

 73 Lothar Vogel

posterBergstreittag in Schneeberg - Bürgermeisterwette am 21.07.2024

Anlässlich des Bergstreittages in Schneeberg erfreut sich alljährlich die Einlösung der Bürgermeisterwette großer Beliebtheit. In diesem Jahr wettete Jörg Sämann - ein ehemaliger DSR-Seemann - daß es dem Bürgermeister nicht gelingt, 50 Seeleute aus dem Erzgebirge am 21.07.2024 auf der Bühne am Schneeberger Markt zu versammeln.

Unser Verein konnte nach einem Aufruf im Internet und einem Artikel in der Freien Presse ca. 15 Mitstreiter dazu beisteuern. Insgesamt waren letzlich 102 ehemalige und aktive Seeleute zusammengekommen. Die Bühne war zu klein für diesen großen Auflauf.

Das Wetter spielte auch mit und wir konnten interessante Gespräche mit Seeleuten aller Art führen. Neben ehemaligen DSR-Seeleuten waren Seeleute anderer Reedereien, der Volksmarine und der Bundesmarine, der Passagierschifffahrt und der Hochseefischerei vertreten. Diese Wette bot auch Gelegenheit, die schöne Bergstadt Schneeberg kennenzulernen.

Thiele, Bürgermeister  
Präsident Frank Thiele im Gespräch mit dem Bürgermeister der
Stadt Schneeberg, Ingo Seifert
Der Herausforderer, Jörg Sämann, Bürgermeister Seifert und Mitglieder
unseres Vereins
 
 
Hans-Joachim, Lothar und Hubert Harthmut Weinhold und Hubert Müller  
 
der DSR Seeleute e.V. zeigt Präsenz auf der Bühne!  


DSR-Seeleute,  Sonntag, 8. Dezember 2019