Kalenderblatt 1967

Das Jahr 1967 - Zusammengestellt von Wolfgang Jacob (+) und Ingo Bochert

  • 01.01.1967: In Wismar begann man ein neues System der Flottenleitung zu erproben. Die Produktionsabteilung Mittelmeer ist nun verantwortlich für den Einsatz von 25 Schiffen mit über 1000 Besatzungsangehörigen.

  • 10.02.1967: Nach dem Umbau eines Teiles der Anlagen des Ölhafens Rostock für den Export, lädt der Motortanker ZEITZ 10.200 t Dieselkraftstoff für Belgien.

  • 00.00.1967: Im Liniendienst Indonesien sind jetzt vier Schiffe vom Typ XD eingesetzt. Die Ladungen werden in Port Sudan, Kotschin, Madras und anderen en-route-Häfen komplettiert. Löschhäfen in Indonesien sind hauptsächlich Djakarta und Surabaja. Heimkehrend werden vorwiegend Güter für westeuropäische Häfen transportiert.

  • 00.00.1967: Die DSR traf mit Jahresbeginn intensive Vorbereitungen zur weiteren Entwicklung der Betriebsform Containerschifffahrt.

  • 02.04.1967: Da neben der DDR auch die polnische Reederei Polish Ocean Lines (PLO), Gdynia, geraume Zeit eine Schifffahrtsverbindung nach Ostafrika unterhalten hat, wurde im April des Jahres ein Gemeinschaftsdienst mit der Polskie Linie Oceanicze unter der Bezeichnung „Baltafrika“ gegründet. Für diese Linie kamen die in den Niederlanden gebauten Frachter EICHSFELD, PRIGNITZ und FLÄMING zum Einsatz.

  • 30.04.1967: Indienststellung des MS OELSA als Spezialholzfrachter vom VEB Neptunwerft Rostock. Es folgten: MS KARLSHORST am 04.08.1967 und MS EISENBERG am 15.10.1967.

  • 00.00.1967: Mit der Republik Guinea begann die künftige Reihe der Schifffahrtsabkommen mit westafrikanischen Ländern.

  • 00.00.1967: Erste Köchin auf einem Frachtschiff der DSR war Charlotte Wolf. Sie fuhr ab 1962 auf dem Hochseefrachter ERFURT und hatte damals schon das 50.Lebensjahr überschritten. Nach fünf Jahren Fahrenszeit schied sie genau an ihrem 60. Geburtstag 1967 aus der Flotte aus. Alle nannten sie stets liebevoll „Muttchen Wolf“.

  • 12.05.1967: Indienststellung des Neubau-Mittelfrachters MS EICHSFELD von der N.V. Scheepswerf „De Hoop“, Lobith. Es folgte: MS PRIGNITZ am 02.06.1967 von der N.V. Scheepswerf en Machinenbouw De Merwede v/h van Vliet & Co.,Hardinxfeld und MS FLÄMING am 24.06.1967 von der N.V. Scheepswerf en Machinenfabriek „De Biesbosch“, Dortrecht. Diese drei teilautomatisierten Schiffe waren speziell für den Baltafrika-Dienst vorgesehen.

  • 00.06.1967: Durch die israelische Aggression gegen die VAR, Syrien und Jordanien kam es zur Schließung des Suezkanals, was auch für die DSR weitgehende Konsequenzen hatte. Für die Liniendienste nach Indien, Pakistan, Indonesien, Ostafrika und dem Roten Meer, ergab sich die Notwendigkeit alle Reisen um das das „Kap der Guten Hoffnung“ durchzuführen. Dadurch verlängerte sich zum Beispiel eine Fahrt nach Indien oder Pakistan um 28 Tage.

  • 30.06.1967: Indienststellung des ersten Typ XD-Hochseefrachters MS ROSTOCK (2) vom VEB Warnowwerft Warnemünde unter Kommando von Kapitän Gerhard Prill. Es folgten: MS QUEDLINBURG am 18.08.1967, MS BOIZENBURG am 08.09.1967, MS ALTENBURG am 29.09.1967, MS NAUMBURG am 20.10.1967, MS BLANKENBURG am 13.11.1967, MS EILENBURG am 04.12.1967 und MS BERNBURG am 27.12.1967.

  • Die Schiffe dieser Baureihe waren die ersten hochgradig automatisierten Hochseefrachter aus eigener Produktion. Die Automatik wurde für die ersten fünf Schiffe von der schwedischen Firma Jungner geliefert. Vom sechsten Schiff an, baute man eine in der DDR entwickelte Anlage ein. Die Maschine durfte zunächst 16 Stunden lang wachfrei gefahren werden. Nachrüstungen erlaubten schon im Folgejahr den wachfreien 24-Stunden-Betrieb.

  • 01.07.1967: Bildung des Ingenieurbüros für Rationalisierung der Seewirtschaft unter Leitung von Jörg Juppenlatz. Das bisherige Rationalisierungsbüro des Hafens geht in das Ingenieurbüro ein.

  • 00.00.1967: Als Nachfolger von Generaldirektor Eduard Zimmermann wurde Günter Freiberg berufen

  • 05.07.1967: Indienststellung des ehemaligen, aus Belgien angekauften Kombischiffes MS GEORG BÜCHNER (ex Charlesville) als letztes Fracht- und Lehrschiff der DSR. Das Kommando übernahm Kapitän Herbert Schickedanz und als Abteilungsleiter Betriebsschule fungierte Horst Krompholz. An Bord befanden sich vier Klassenräume, 60 Praxisplätze und 170 Wohnheimplätze.

  • 00.07.1967: An Bord des MS ESPENHAIN entstanden im Sommer unter Federführung von Kapitän Adolf Zinn und Chief Heinz-Jürgen Marnau die ersten Vorstellungen und Erprobungen zur Änderung der bisher üblichen Borddienst-Organisation in Komplexbrigaden. Daraus entstand mit Dienstordnung 1971 der „Komplexe Schiffsbetrieb“ innerhalb der DSR-Flotte.

  • 00.08.1967: Errichtung einer DSR-Auslandsvertretung in London/Großbritannien.

  • 01.09.1967: Einstellung von 232 Lehrlingen zum Vollmatrosen, 30 zum Vollmatrosen mit Abitur, 26 zum Maschinenschlosser und 99 zum Schiffsbetriebsschlosser. Neben der Ausbildung von Vollmatrosen begann die DSR 1967 mit der Heranbildung von Schiffsbetriebsschlossern als Nachwuchs für das Maschinenpersonal der Flotte. Vorher wurden Motorenschlosser für die DSR in den Werften mit ausgebildet.

  • 21.09.1967: MS FIETE SCHULZE sank in den frühen Morgenstunden dieses Tages in einem Wirbelsturm in der Biskaya. Trotz einer umfangreichen Suchaktion, an der sich Schiffe vieler Nationen beteiligten und die von den Schiffen der DSR über vier Tage geführt wurden, konnten nicht alle Besatzungsmitglieder geborgen werden. Sieben Seeleute fanden bei diesem tragischen Schiffsunglück den Seemannstod, Sechs Seeleute und eine Stewardess sind verschollen.

  • 29.09.1967: Auf MS THEODOR STORM wird während der Seereise von Yokohama/Japan nach Guayaquil/Ecuador an diesem Tag der Betrieb „zeitweilig unbesetzter Maschinenraum“ aufgenommen. Dieser Termin ist damit als Geburtsstunde des wachfreien Maschinenbetriebes innerhalb der Handelsflotte der DSR anzusehen.

  • 00.10.1967: In diesem Monat fand an Bord des Passagierschiffes FRITZ HECKERT eine Eheschließung statt. Kapitän Karl-Gustav Zieske traute den II. Nautischen Offizier Gaulke und Ehefrau.

  • 13.11.1967: Mit der Übernahme des MS BLANKENBURG konnte die DSR die Millionengrenze der Tragfähigkeit überschreiten und ihre Position als eine der größten Reedereien des nord- und westeuropäischen Raumes weiter ausbauen.

  • 25.11.1967: Das MS STUBBENKAMMER hatte an diesem Tage eine schwere Kollision mit dem britischen 60 000-tdw-Tanker ZENATIA in der Maas-Mündung, einige Meilen westlich von Hoek van Holland. Die STUBBENKAMER musste auf Grund gesetzt werden. Von der 28-Mann-starken Besatzung des Schiffes konnten 27 durch ein holländisches Lotsenboot gerettet werden. Der Obersteward blieb trotz intensiver unermüdlichen Suche verschollen.

  • • 00.00:1967: Die kurzen Reisen der Küstenmotorschiffe bedeuteten hohe Hafenfrequenzen und damit viel Arbeit für die Seeleute. So hatte MS BARHÖFT 1967 im Verlaufe von 11 Monaten auf 38 Reisen 80 Hafenanläufe und 17 Kanalpassagen.

  • 31.12.1967: Gütertransport nach Hauptgutarten insgesamt: 7.227 712 t, davon Kohle 791 686 t, Erze 487 695 t, Metalle 818 222 t, Getreide 200 267 t, Holz 279 128 t, Zement 64 641 t, Düngemittel 889 322 t, Mineralöle 1.612 214 t, leicht verderbliche Güter 47 985 t, Sonstige Güter 2.036 543 t. Von den 7.227 712 t im Gesamtgütertransport entfallen auf Leistungen für die Volkswirtschaft der DDR 60,1 % (davon 12,0 % Export und 88,0 % Import) und auf die Leistungen für Fremde (Cross-Trade) 39,9 %. Mit Linienschiffen wurden insgesamt 2.229 039 t Güter transportiert, das entspricht einem Anteil von 39,7 % am Gesamtgütertransport (ohne flüssige Ladung).

  • 31.12.1967: Inzwischen arbeiten 90 vertraglich gebundene Linienagenturen in 62 Ländern für die DSR. Zur gleichen Zeit verfügte die DSR über sechs eigene Auslandsvertretungen. Sie befinden sich in folgenden Ländern: VAR, Alexandria 1958, VR Polen, Szczecin 1961, Kuba, Havanna 1963, Indien, Bombay 1964, Ghana, Accra 1964 und Tansania, Daressalam 1966.

  • 31.12.1967: Bestand der DSR-Flotte: 165 Schiffe (einschl. MS VÖLKERFREUNDSCHAFT, GTS FRITZ HECKERT und MS BEREITSCHAFT mit 1.024 885 tdw. In den Jahren 1961 bis 1967 wurden von den beiden Passagierschiffen insgesamt 103 847 Passagiere und von den Frachtschiffen etwa 5000 Passagiere befördert. Die Zahl der weiblichen Besatzungsmitglieder an Bord ist inzwischen auf 570 angestiegen


DSR-Seeleute,, Montag, 5. Juni 2017